»Bewusstseinsbildende Massenarbeit«: Über die kulturpolitische Selbstdarstellung der DDR in der Dritten Welt
Abstract
zum Dissertationsvorhaben von Jan Behrendt (04/2006-04/2009)
Anliegen der Dissertation ist es, von der auswärtigen Kulturpolitik der DDR in den Ländern der Dritten Welt vermittelte Deutschlandbilder zu erforschen. Über vielfältige außenpolitische, entwicklungspolitische und kulturelle Aktivitäten stellte sich die DDR im Ausland selbst dar. Als ‚junger, friedliebender deutscher Staat' versuchte sie sich von der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands zu distanzieren; als Mitglied des sowjetischen Bündnissystems bemühte sie sich ‚klassenkämpferisch' und ‚antikapitalistisch' aufzutreten; vom westdeutschen Staat versuchte sie sich kulturell und politisch abzugrenzen; mit der ‚Erbe-und-Tradition-Konzeption' der 1970er Jahre sollte das eigene Profil durch Rückgriff auf bislang gemiedene Klassiker der deutschen Geschichte erweitert werden. Obwohl eine solche Selbstdarstellung die Kommunikation der Regierung der DDR mit den Bürgern anderer Länder prägte, sind Muster und Inhalte der vermittelten Deutschlandbilder nur schemenhaft bekannt. Die Vielzahl außenkulturpolitischer Maßnahmen der DDR zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten erschwert es, die gemeinsamen Grundlagen ihres Einsatzes, zugrundeliegende Absichten und Tendenzen eines Gesamtkonzeptes zu identifizieren. Die Dissertation soll die Lücke in der Forschung zur Außenpolitik der DDR schließen, die darin besteht, dass eine übergreifende, länder- bzw. regionenweise differenzierende Analyse der auswärtigen Kulturpolitik der DDR in der Dritten Welt fehlt. Durch die Zusammenfassung der in einem Kontext stehenden Selbstdarstellungen als ‚Deutschlandbilder' soll ermöglicht werden, die einzelnen Aktivitäten in ihrem Wirkungszusammenhang zu betrachten und zu vergleichen. Als Bildphänomene können die Deutschlandbilder zum Gegenstand vergleichender bildanalytischer Fragen, etwa nach ihrer jeweiligen Zusammensetzung und enthaltenen Symbolen, Mustern und Abweichungen, gemacht werden. Der Aufbau der Arbeit folgt den Anforderungen an eine Bildanalyse: Nach der Darstellung der Rahmenbedingungen der auswärtigen Kulturpolitik sollen ihre Aktivitäten so rekonstruiert werden, dass ihre Verfahren und Inhalte, d.h. die Muster und Symbole der durch sie vermittelten Deutschlandbilder, deutlich werden. Von einer solchen Symboldeutung getrennt erfolgt eine kontextualisierende Analyse, in der die rekonstruierten Bilder im Zusammenhang ihrer außenpolitischen und kulturgeschichtlichen Voraussetzungen betrachtet werden. So soll nicht nur deutlich werden, wie sich die DDR im Ausland präsentierte, sondern auch, welche Zusammenhänge zu den einzelnen Ausprägungen der Selbstdarstellung geführt haben. Die Arbeit liefert Beiträge sowohl zum Verständnis eines wichtigen Bereiches der außenpolitischen Hinterlassenschaften der DDR als auch zur Erforschung der Interdependenz zwischen innerer und äußerer Kulturpolitik der SED sowie zu Manipulationsmöglichkeiten und Grenzen staatlicher Kultursteuerung.